
Wer im Kreispokal weiterkommen will, braucht nicht nur elf gute Leute, sondern ein paar mehr. In Harsewinkel hat am Mittwochabend einer das Achtelfinale entschieden, der gar nicht in der Startelf stand.
Eine Halbzeit ohne Gegenwehr
Anstoß war um 19 Uhr unter Flutlicht, bei dreizehn Grad, ohne Wind, und auf dem Kunstrasen lag das Herbstlaub. Druffel spielte die erste Hälfte, als gehöre der Platz ihnen: Ben setzte nach, Jens kam an den Ball und schoss knapp vorbei; Luca Feldmann flankte, schoss, flankte wieder und fand jedes Mal den Torwart oder ein Bein dazwischen; Jens versuchte es noch einmal aus der zweiten Reihe. Harsewinkel schoss bis zur Pause kein einziges Mal aufs Tor.
Das Tor fiel in der 37. Minute auf die einfachste Art. Böttcher schlug den Ball lang, Jens stieg hoch und köpfte ein. Die Schätzung vom Spielfeldrand: "mit ungefähr 100 km/h".
Das volle Tablett
Nach der Pause drehte sich das Spiel. Harsewinkel spielt eine Klasse tiefer, führt die Kreisliga C aber an: sieben Punkte, 10:1 Tore. Ein einziges Gegentor in der ganzen Liga bisher, und in diesen 45 Minuten sah man, warum. Jetzt schossen die Grün-Weißen, zuerst in Fabios Arme, dann übers Tor, dann wieder auf Fabio, der auch diesen Ball hielt. Levin hatte in der 76. Minute die Entscheidung auf dem Fuß, lief allein aufs Tor zu, und der Torwart klärte.
Druffel trug die Führung durch die zweite Halbzeit wie ein Kellner ein volles Tablett durch den Festsaal. Lange ging kein Tropfen daneben, Schritt für Schritt kam er näher, und zwei Meter vor dem Tisch rempelt ihn doch noch einer an. In der 89. Minute stand es 1:1, und das gegen einen Gegner, bei dem der erste Spieler schon nach siebzig Minuten mit einem Krampf am Boden gelegen hatte.
Sechzehn Meter, Nachspielzeit
Vor dem Anpfiff hatte Kevin im Liveticker die Startelf aufgeschrieben, von Pohl bis Juretko. Bei der Bank gab er auf: "Sind mir heute zu viele, die ist heute gut besetzt." Levin war einer von diesen vielen. In der zweiten Minute der Nachspielzeit nahm er sich ein Herz und zog aus sechzehn Metern ab. 1:2. Zwei Tore an einem Abend gegen eine Mannschaft, die in der Liga bislang ein einziges zugelassen hat.
Danach waren noch fünf Minuten zu spielen, und jeder auf dem Platz wusste, was auf dem Spiel stand. Vom Rand kam nur noch ein Satz: "Hier ist so langsam Hitze drin."
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Fürs Viertelfinale wird Kevin die Bank wohl doch aufschreiben müssen.



