Rote Karte, Pfostenschuss und neun Minuten Hoffnung – am Ende steht null Zählbares
Manchmal beginnt ein Fußballtag wie ein Versprechen. Topspiel für die Erste in Friedrichsdorf, Bus mit Ultras, die mit wehenden Fahnen und vermutlich lauwarmem Dosenbier am Sportplatz einlaufen. Kreisliga-Glamour in seiner reinsten Form. Und zeitgleich die Zweite beim VfL Rheda II, bereit für dreckige Punkte auf fremdem Geläuf.
Erste Mannschaft
Die Partie beim Tabellenzweiten begann hitzig – und wurde früh historisch. Nach acht Minuten wird Mark im Laufduell gelegt, Notbremse, Rot. Friedrichsdorf nur noch zu zehnt. Kreisliga-Logik sagt: „Jetzt drehen wir das Ding.“
Kreisliga-Realität sagt: 1:0 für Friedrichsdorf (15.).
Und plötzlich steht man da, mit einem Mann mehr, aber einem Tor weniger – und merkt zur Halbzeit: Man sieht es nicht. Überzahl auf dem Papier, Gleichzahl im Kopf.
Nach der Pause dann das, was man sich in der Kabine geschworen hatte. Gianni trifft den Pfosten, Noel köpft, der Keeper hält – und dann kommt Jens. 20 Meter, schwacher Fuß, oben rechts rein. Ein Tor wie aus der Kategorie „Sonntagsschuss“, nur dass Sonntag war. 1:1 (54.).
Doch wer jetzt dachte, die Partie kippt, kennt die Kreisliga schlecht. Friedrichsdorf trifft zum 2:1 (60.) – und entdeckt anschließend die hohe Kunst des Zeitspiels. Neun Minuten Nachspielzeit. Neun Minuten zwischen Hoffnung, langen Bällen und Ultras, die alles nach vorne schreien, was Stimmbänder hergeben.
Dann Abpfiff. 2:1 verloren. In Überzahl. „Hier war mehr drin“, sagt man dann. Und meint: eigentlich alles.
Zweite Mannschaft
Die Zweite begann beim VfL Rheda II kontrolliert. Ausgeglichen, dann mutiger. Kilian köpft nach einer Ecke stark aufs linke Eck – Parade. 0:0 zur Pause, aber mit aufkommendem Druffeler Selbstbewusstsein.
Nach dem Seitenwechsel dann der Nackenschlag, wie ihn zweite Mannschaften sonntags kennen: Eigene Ecke, Ballverlust, Konter, 1:0 für Rheda (55.). Fußball kann manchmal sehr einfach und sehr gemein sein.
Druffel wechselte, rannte an, wurde besser – und der Gegner ruppiger. Hitzige Phase, viele Worte, wenig Spielfluss. Am Ende aber bleibt nur das Ergebnis: 1:0 verloren.
Fazit des Doppelspieltags
Zwei Spiele, zwei Niederlagen, ein Gefühl: Es wäre mehr drin gewesen. Die Erste scheitert an sich selbst und am Kreisliga-Schicksal, die Zweite an einem Konter und der eigenen Chancenverwertung.
Aber wenn der Bus mit den Ultras wieder vorfährt, wenn sonntags um kurz vor drei der Platz nach Bratwurst und nassem Rasen riecht – dann weiß man: Kreisliga ist keine Frage der Tabelle. Sondern eine Frage des Herzens.
Und nächste Woche, da drehen wir das Ding. Ganz bestimmt.



